Betrifft die Kommentarserie in:

https://conservo.wordpress.com/2018/01/07/der-demographische-suizid/

Nach obiger Diskussion dürfte interessant sein, warum ein Mensch mit überdurchschnittlichem Einkommen auch mit 75 noch das Bedürfnis hat, zu arbeiten:

Nach einem sehr guten Abi ging’s nicht etwa per Klassenfahrt nach Berlin, sondern am Tag nach dem Mündlichen in die Fabrik, um das Geld fürs Studium aufzubringen. Schon nach 4 Semestern Mathematik und Physik mit Schwerpunkt Programmierung Elektronischer Rechenanlagen, damals Zuse Z22 und Z23, lockten Anstellungsverträge beim Kernforschungszentrum Karlsruhe und im Flugzeugbau. Zum Glück wählte ich Letzteres. Von da an ging’s im Einkommen steil nach oben, ebenso die laufenden Ausgaben. Als hochbezahlter IT-Spezialist für Deutschland zu teuer, arbeitete ich dann 30 Jahre in der Schweiz. Das Geld reichte, dass meine Frau im Beruf pausieren und sich unserem Kind widmen konnte. Es war eine herrliche Zeit. Leider blieben für einen 60 Jährigen die Aufträge aus. „Überqualifiziert“ hieß es höflich, doch es bedeutete „zu alt, passt nicht in unser junges Team“.

Genau da stand das Studium der Tochter an. Studentenwohnung mieten, einrichten, Studiengebühren, Fahrtkosten, Lebensunterhalt. Weil die Frau wieder verdiente, gab‘s vom Staat keinen Pfennig Unterstützung, aber die Rücklagen schmolzen dahin. Erst recht, als bei der Tochter das Zusammenziehen mit dem Zukünftigen anstand mit größerer Wohnung, kompletter Wohnungseinrichtung, Auslandssemester in Übersee usw.

Nein, die Pension meiner Frau und meine vor der Auslandstätigkeit erworbene kleine Rente reicht seit vielen Jahren nicht mehr für eine Urlaubsreise. Und sie wird auch weiterhin nicht reichen, weil sich das junge Paar ein eigenes Haus sucht, das von wem wohl mitfinanziert werden soll?

Deshalb arbeite ich immer noch. Meine Computerprogramme erlauben es mir, an der Börse dumme Spekulanten im Optionshandel abzuzocken. Ich nehme also keinem Fabrikarbeiter und keiner Zeitungsausträgerin den Arbeitsplatz weg. Journalistisch arbeite ich nebenbei, um politisch Einfluss zu nehmen.